Die Wut über die neuen Sicherheitsmassnahmen an den Flughäfen, mit Körperabtastung und Durch- leuchtung mit Body-Scanner, hat eine steigende Wut bei Flugreisenden in den USA ausgelöst. Immer mehr Widerstand tut sich auf und es ist das heiss diskutierte Thema im Lande. Die Behörde zuständig für die Überprüfung der Passagiere, die Transportation Security Administration (TSA), erlaubt den Reisenden nur noch drei Wahlmöglichkeiten – sich einer sehr gründlichen und in die Intimsphäre eindringende Ganz- körperdurchsuchung zu unterziehen, sich mit einem Body-Scanner durchleuchten zu lassen, oder überhaupt nicht mehr zu fliegen.
Die Porno-Scanner, anders kann man sie nicht bezeichnen, zeigen die nackten Körper der Passagiere, was die prüden Amerikaner in Rage versetzt. Genau so verhält es sich mit der Abtastung des Körpers, wobei die Beamten die Genitalien und andere privaten Bereiche berühren können, alles mit der Begründung, es geht um die Sicherheit vor Terrorismus.
Morgen am 24. November findet der “National Opt Out Day” statt, ein Tag des Boykotts, wo die Passagiere sich extra dumm anstellen sollen, um das ganze Sicherheitssystem ad Absurdum zu führen und zu blockieren. Es ist der Tag im Jahr an dem in Amerika am meisten geflogen wird, wegen dem “Erntedankfest” und die Amerikaner traditionell mit ihren Familien feiern.
Es sollen über 1’000 Body-Scanner bis Ende 2011 in den Flughäfen der USA installiert werden, ein riesen Geschäft für die Sicherheitsindustrie.
Wie eng verbunden die US-Regierung mit den Lieferanten der Body-Scanner ist, zeigt die Asienreise von Obama. Der Chef einer der beiden Hersteller, welche die Lizenz haben die Geräte an die TSA zu liefern, war im Begleittross des Präsidenten und kam mit nach Indien. Deepak Chopra, Vorsitzender und CEO der OSI Systems war dabei, um das Sicherheitsgeschäft auch auf Asien anzukurbeln. Die Firma von Chopra stellt die Rapiscan Body-Scanner her, welche in allen Flughäfen der USA eingesetzt werden.
Wie enge die Beziehungen zwischen Behörden und der Sicherheits- industrie sind, zeigt auch folgende Tatsache. Der ehemalige Chef des Heimatschutzministeriums, Michael Chertoff, ein US-Israelischer Doppelbürger, gründete nach seinem Abgang die Sicherheits- beratungsfirma Chertoff Group, welche OSI Systems als Hauptkunde hat. Zuerst hat er mit Panikmache als Leiter der Behörde die Sicherheitsgesetze eingeführt, danach wechselte er in die Privatwirtschaft und profitiert vom Verkauf der Geräte an die Behörde. Wie bei allem geht es ums Geschäft und nicht wirklich um Sicherheit.
Aber es hat sich nicht nun ein Widerstand gegen den Eingriff in die Privatsphäre in
Amerika gebildet, jetzt gibt es sogar Firmen die Produkte als Gegenmassnahme anbieten. So kann man Unterwäsche kaufen, welche angeblich die Intimstellen gegen die Strahlen abdeckt.
Auf der Webseite von Rocky Flats Gear steht zum Beispiel, sie bieten flexible, attraktive, leichte und abschirmende Wäsche an, welche die Reisenden vor Strahlung schützt. Siehe Fotos. Ihre Produkte schützen den Körper vor ionisierenden Strahlen, welche durch Body-Scanner abgegeben werden.
Im Internet kursieren Youtube-Videos, welche die menschenunwürdige Behandlung durch die TSA-Beamten zeigen. So gibt es Aufnahmen wo man kleine Kinder sieht, die sich ausziehen müssen und am ganzen Körper durchsucht werden, wie wenn sie Terroristen sein könnten.
http://www.youtube.com/watch?v=skkCpnCm7iM&feature=player_embedded
Genau so ergeht es Behinderten im Rollstuhl, oder Personen die ein Metallimplantat haben, oder eine Prothese tragen. Sie werden einer rigorosen Leibesvisitation ohne Rücksicht unterzogen.
Als Konsequenz gibt es immer mehr die Forderung, das Fliegen ganz zu boykottieren, um den Airlines und Flughafenbetreibern eine deutliche Botschaft zu senden, so geht es nicht weiter, diese Behandlung wie Vieh ist unakzeptabel. So hat die bekannte Persönlichkeit und ehemalige Gouverneur Jesse Venture verkündet, er wird nicht mehr fliegen, wegen der Schikane durch die TSA. Er hätte ein künstliches Hüftgelenk aus Metall und wird ständig herausgepickt und einer unwürdigen Durchsuchung unterzogen.
Auch der republikanische Kongressabgeordnete und ehemalige Präsidentschaftskandidat Ron Paul hat sich sehr kritisch gegenüber den Sicherheitsmassnahmen an den Flughäfen geäussert. Er unterstützt den morgigen Aktionstag “opt out day” und hat sogar ein Gesetz eingebracht, welches die Amerikaner vor der physischen und emotionalen Misshandlung durch die TSA-Beamten schützen soll.
In folgender Rede sagt er: „Es muss etwas passieren, alle haben die Schnauze voll. Die Menschen haben es satt, die Piloten haben es satt, ich habe es satt. Was wir hier an den Flughäfen akzeptieren müssen ist so symbolisch für die Tatsache, wir stehen nicht auf und sagen, genug ist genug. Die Menschen wachen langsam auf, aber die Regierung und auch der Kongress tun nichts dagegen. Ja, sie reden wohl davon, vielleicht die Piloten auszunehmen, aber stellen wir uns das vor, die Piloten haben einerseits eine Pistole im Cockpit und tragen die Verantwortung für das Flugzeug, aber gleichzeitig müssen sie sich bis zur Unterwäsche abtasten lassen. Wie absurd ist das denn? Es ist Zeit aufzuwachen. Deshalb habe ich ein Gesetz eingebracht, um das zu korrigieren. Wir müssen realisieren, die amerikanische Bevölkerung und wir auch sind zu unterwürfig. Das geht schon viele zu lange so. Mein Gesetz bringt das in Ordnung. Wenn eine normale Person niemanden anderen an den Geschlechtsteilen anfassen darf, wieso soll das ein Beamter machen dürfen? Wenn man keine Nacktaufnahmen von Menschen machen darf, wieso soll eine Behörde das machen dürfen? Man würde im Gefängnis landen, man würde verhaftet werden, wenn ein normaler Bürger das machen würde. Und wir sitzen nur rum und sagen, aber die machen uns sicher. Dann wird gesagt, wenn man ein Flugticket kauft, dann gibt man damit seine Rechte auf. Das ist nicht richtig, man sollte niemals seine Rechte aufgeben müssen. Die Aufgabe des Staates ist es unsere Rechte zu schützen und nicht uns zu misshandeln. Die Behandlung der TSA macht uns nicht sicherer. Und dann gibt es Leute die ein Geschäft damit machen. Michael Chertoff als ehemaliger Chef der TSA verkauft dieses Zeug, wo wir gar nicht wissen ob es nicht gesundheitsschädlich ist. Die Amerikaner haben zu lange akzeptiert, wir werden wie Vieh behandelt. Steckt uns hinter Stacheldraht, füttert uns, macht uns fett, schlachtet uns und frisst uns. Wir müssen aufwachen und sagen, wir haben die Schnauze voll. Ich bin der Meinung, diese Idee eines ‚opt out day’ ist grossartig und wir sollten die Behandlung durch die TSA ablehnen.“
Quelle Freeman
Alle sind scharf auf unsere privaten Daten. Der Staat möchte die biologischen Merkmale der Bürger kennen. Die Wirtschaft kann gar nicht genug Informationen über die Vorlieben ihrer Kunden sammeln. Arbeitgeber suchen mit illegalen Überwachungsmaßnahmen nach schwarzen Schafen unter ihren Mitarbeitern.
Die Warnungen vor Terror und Wirtschaftskriminalität lenken genauso wie die Bequemlichkeiten von Internet und Plastikkarten von einer Gefahr ab, die uns allen droht: dem transparenten Menschen. Der wird kein freier Mensch mehr sein. Nirgendwo wird er eine Privatsphäre finden, in der er tun und lassen kann, was er will, ohne sich zu sorgen, dafür Rechenschaft ablegen zu müssen. Bevor es soweit kommt, intervenieren Juli Zeh und Ilija Trojanow mit einer engagierten Kampfschrift. Wieviel sind uns unsere Bürgerrechte noch wert? Wer bedroht unsere Demokratie stärker: militante Islamisten oder die Befürworter einer totalen Überwachung? Wie können wir uns gegen den schleichenden Verlust unserer Freiheit wehren? Dieses Buch, zornig, ironisch und hoch informativ zugleich, wird viele Menschen aufrütteln, die sich viel zu lange in falscher Sicherheit wiegten. Wehren Sie sich. Noch ist es nicht zu spät!



